Unsere Geschichte:
Anfang 2018
Wir saßen eines Abends zusammen und redeten über unsere Jugend, wie wir früher 3–4-mal pro Woche abends mit der Milchkanne bewaffnet zum Bauern um die Ecke gegangen sind, um Milch für die Familie zu kaufen. Das wir früher mit unseren Eltern gemeinsam zum Hofladen im Ort liefen, um die Lebensmittel des täglichen Bedarfs einzukaufen.
Aber was ist aus dieser schönen und ruhigen Zeit geworden. Später stellten wir in unserem Gespräch weiter fest, dass selbst wir beide aktuell viel zu selten direkt bei den landwirtschaftlichen Erzeugern einkaufen. Aber warum ist das so? In diversen Pressemitteilungen heißt es immer, dass die Landwirte für Ihre Arbeit von den Handelsketten immer geringere Preise für ihre Erzeugnisse bekommen. Daraufhin recherchierten wir nach den uns von früher bekannten landwirtschaftlichen Erzeuger in unserer Heimatstadt Pfungstadt. Dies gestaltete sich äußerst schwierig, da wie keine Übersicht über die diversen landwirtschaftlichen Erzeuger in unserer Region fanden. Von Sortimenten oder auch Preisübersichten mal ganz abgesehen. Bei den großen landwirtschaftlichen Betrieben haben wir sofort eine Homepage gefunden. Dies traf allerdings nur bei diesen zu. Auch sind wir immer wieder auf Pressemitteilungen gestoßen, dass die landwirtschaftlichen Erzeuger immer weniger Gewinn erwirtschaften. Gründe dafür gab es viele. Missernten, Dürreausfälle, Milchquote, Preisdumping der Handelsketten und viele weitere. Warum wurde hier nicht schon viel früher gegengesteuert?
Warum wurde hier nicht schon viel früher gegengesteuert? Die weiteren Tage haben wir mit den Recherchen begonnen und sind auf ein paar wenige Übersichtsseiten gestoßen. Diese waren leider im Desktop Format erstellt worden und somit nicht auf dem Handy nutzbar. Aber genau das braucht doch der Verbraucher. Eine App die sofort die regionalen Einkaufsmöglichkeiten der Region anzeigt, schnell und unkompliziert. Per App wie es in der heutigen Zeit Standard geworden ist.
Auch fehlte uns die Übersicht über Preise und Verfügbarkeiten der einzelnen Produkte. Auch da haben wir in der Vergangenheit unsere negativen Erfahrungen gemacht. Abends nach der Arbeit noch mal eben schnell zum mobilen Verkaufstand gefahren, um Erdbeeren und Spargel zu kaufen. Erdbeeren habe ich noch bekommen, nur der Spargel war leider schon vergriffen und ich musste zum nächsten Verkaufstand desselben Landwirts fahren, um dort meine Spargel kaufen zu können. Die beiden Verkäuferinnen, waren so nett und haben miteinander telefoniert, sodass ich mir die Spargel reservieren und abholen konnte.
Jetzt wussten wir, warum die Verbraucher immer weniger bei den Landwirten direkt einkaufen.
Jetzt stand auch unser Entschluss fest, dass wir hier Abhilfe schaffen müssen. Die Verbraucher müssen wieder ein Gefühl für die Lebensmittel entwickeln und verstärkt vor Ort einkaufen gehen.
Wir setzten uns wieder und wieder zusammen und erstellen ein Konzept, um die Direktvermarktung der landwirtschaftlichen Erzeuger zu stärken und den Verbraucher wieder zum regionalen Einkaufen zu sensibilisieren.
Doch will der Verbraucher bei den ortsansässigen Erzeugern einkaufen gehen? Wir konnten dies im Vorfeld nicht abschätzen. Also was bleibt uns anderes übrig als in unserer Freizeit auf diversen Wochenmärkten eine Umfrage zu starten? Wir wollten uns zwei Seiten anhören, zum einen die Verbraucherseite: Sind diese bereit mehr lokal einzukaufen, auch wenn es mehr Zeit in Anspruch nimmt? Sind die Verbraucher bereit beim Erzeuger einen höheren Preis für regional produzierte Lebensmittel zu zahlen und welche Möglichkeiten und Funktionen sollte unserer App beinhalten?
Viele Verbraucher haben uns bestätigt, dass wir alle viel zu selten direkt vor Ort beim Erzeuger einkaufen und es die Gewohnheit ist, alles beim Supermarkt am Stadtrand zu kaufen. Einen höheren Preis nehmen knapp 90 % der gefragten Verbraucher gerne an. Als Grund wurde des Öfteren vernommen, dass dieser sich in der Qualität und frische widerspiegelt. Der regionale Bezug, die Nachhaltigkeit sowie die Wertschätzung der regionalen Erzeuger müssten mehr gefördert werden.
Auf Erzeugerseite stellten wir zum einen die Frage, wie die allgemeine aktuelle Situation im Direktvermarktungsbereich gesehen wird und wo eine Förderung diesbezüglich nötig wäre. Eine weitere Frage war, ob ein höherer Direktabsatz ab Hof überhaupt gewollt und personell machbar ist.
Hier bekamen wir fast immer wieder dieselben Antworten. Die Situation ist für viele nicht einfach. Der Direktverkauf ab Hof könnte besser laufen und gefördert werden. Allerdings müsse auch erwähnt werden, dass die aktuelle CORONA-Situation einen leichten Anstieg des Direktverkaufs zur Folge hat. Dies basiert sicherlich auf den aktuellen Kontaktbeschränkungen. Die Menschen meiden momentan große Menschenansammlungen in großen Einkaufsmärkten. Davon abgesehen, stehen die Abnahmepreise von Handelsketten in keiner Relation zu den wirtschaftlichen Kosten der Höfe. Die Lage sei schon seit mehreren Jahren bedenklich und man komme nur zu sporadisch, individuellen Lösungen, welches kein zukunftsorientiertes Konzept sein kann. Auch wurde bemängelt, dass seitens der Verbände nicht genug gegengesteuert wurde. Viele haben sich eine Bundeseinheitliche dauerhafte Lösung gewünscht.
Auf die Frage des höheren Direktabsatzes ab Hof teilten sich die Meinungen. Dies ist aus unserer Sicht auch verständlich, da die Betriebsgrößen sehr unterschiedlich sind. Ein klein- und mittelständiger Betrieb ist mit einem großen nicht zu vergleichen. Ein kleiner Betrieb mit einem kleinen Hoflädchen, indem die Eltern noch hinter der Theke stehen und verkaufen ist mit seinen 50 Stammkunden zufrieden und möchte auch nicht mehr. Dies wäre organisatorisch ohne zusätzliches Personal auch nicht machbar. Größere Betriebe hingegen können einen höheren Abverkauf ohne Probleme realisieren. Diese wünschen und benötigen einen höheren Abverkauf, um die Betriebskosten decken zu können.
Aus diesem Konzept entstand sehr schnell ein Businessplan und eine Finanzierungsübersicht. Auch die ersten Angebote für die Web- und Softwareentwicklung waren schnell eingeholt. Doch die zu erwartenden Kosten waren wesentlich höher als wir im Vorfeld gedacht haben. Die Angebote lagen alle jenseits unserer Vorstellungskraft.
Was nun? Wir begaben uns mit unserem fertigen Konzept zur zuständigen IHK nach Darmstadt, um eine Plausibilitätsprüfung des Konzeptes durch eine fachkundige Stelle zu erhalten. Wir erhielten von dort eine positive schriftliche Bestätigung zur Tragfähigkeit unseres Projektes. Mit dieser erfreulichen Bestätigung hofften wir auf positive Ergebnisse bei den bevorstehenden Finanzierungsgesprächen.
Sämtliche Gespräche mit öffentlichen Anlaufstellen zur Finanzierung des Vorhabens verliefen leider ohne Erfolg. Der Grund hierfür lag in der Risikobewertung des Konzeptes. Es gab damals noch kein vergleichbares Vorhaben auf dem Markt, wonach die Kreditgeber uns hätten messen können. Somit war das Risiko für eine Finanzierung in diesem Bereich, seitens der Banken, zu hoch.
Einige Monate später kam eine weitere Option für uns in Betracht. Wir kontaktierten einen lokalen Verein, welcher in regelmäßigen Abständen Abendveranstaltungen für Start-Up´s in Frankfurt am Main organisierte. Hier konnte man sein Vorhaben präsentieren. Ziel dieser Veranstaltung war aus unserer Sicht einen möglichen Investor von unserem Vorhaben überzeugen zu können. Da wir zu spät von dieser Veranstaltung erfahren haben, konnten wir lediglich als Zuschauer teilnehmen und unser Konzept nicht präsentieren. Auf Nachfrage zu Ablauf und Anmeldung einer Vorstellung erfuhren wir, dass die nächsten Termine bereits vollkommen ausgebucht waren. Wir nahmen die Einladung als Zuschauer an und fuhren also nach Frankfurt. Wir erhofften uns einen Überblick über den Ablauf dieser Veranstaltung zu erhalten und evtl. das ein oder andere Gespräch mit möglichen Investoren führen zu können. Die Investoren stürzten sich allerdings nur auf die Start-Ups, welche Ihre Geschäftsidee präsentierten. Somit war dieser Abend für uns zwar interessant aber leider erfolglos.
Und jetzt? Wie soll es weitergehen? Langsam, aber sicher gingen uns die Ideen aus.
Die darauffolgenden Monate bis Mitte 2019 waren wir damit beschäftigt private Geldgeber aufzutreiben, um unser Vorhaben finanzieren zu können. Natürlich war dieses Projekt noch nicht unser alltägliches Brot. Wir hatten auch noch unsere Jobs, unsere Familien und Freunde. Dies alles unter einen Hut zu bekommen war alles andere als einfach. Untätig waren wir trotz allem nicht. Wir haben zu etlichen Bundes- und Regionalverbänden Kontakt aufgenommen, um diverse Kooperations- und Finanzierungsmöglichkeiten durchzusprechen. Die Antworten waren konstant die gleichen. Von „kein Interesse“ bis „Wir können keine privaten Unternehmen bezuschussen“ war alles dabei.
Allerdings war das Feedback immer gleich: „Super Konzept“, „mal eine neue Idee“ „neuer Schwung für die Branche“ und „viel Glück bei der Umsetzung“.
Die Antworten bestätigten uns in unserem Vorhaben. Unserem Ziel einer Kooperation und Finanzierung sind wir allerdings auch hierbei kein Stück nähergekommen.
Sollten wir den Kopf in den Sand setzen und soll alles umsonst gewesen sein? Nein, dafür hatten wir schon zu viel Herzblut, Leidenschaft und auch Zeit in unser Konzept gesteckt. Wir brauchten etwas Abstand, um einen klaren Kopf um weitere zielführende Lösungsmöglichkeiten in Erwägung zu ziehen. Das hieß für uns, dass wir alles mal für 2-3 Monate ruhen lassen um ohne Druck neue realisierbare Finanzierungswege zu finden.
Viele Gespräche mit diversen Business-Angels verliefen leider erfolglos. Dies lag zum einen daran, dass wir noch nicht auf dem Markt aktiv waren, dementsprechend auch noch kein Erfolg messbar war und zum anderen die Investitionssumme zu gering war. Eine Crowdfunding Kampagne war in unserer Position ebenfalls nicht durchsetzbar. Hierfür entsprachen wir nicht den Anforderungen diverser Plattformen. Selbst eine Finanzierung seitens der Verbände war nicht möglich und aus einem „Topf“ aus öffentlichen Fördermitteln für Start-Up´s fielen wir Kriterien bedingt raus. Leider hinkt Deutschland in diesem Bereich etwas hinterher. In anderen europäischen Ländern ist der Zugang zu Kapital für eine Start-Up-Finanzierung wesentlich einfacher. Hierzu müsste man allerdings auch im entsprechenden Land gelistet sein. Ein Wohnortwechsel ins Ausland kam für uns nicht in Frage.
Und schon war wieder ein Jahr vorbei und 2019 war für uns gelaufen.
Mittlerweile verloren wir die Geduld, da mehr und mehr ähnliche Plattformen auf dem Markt zu finden waren. Aus unserer Sicht haben sich die diversen Anbieter kaum unterschieden. Anbieter, welche auch schon 2018 auf dem Markt waren, haben Ihr Vorhaben wieder eingestellt. Das sahen wir aber auch als Chance an. Da alle Anbieter nach gleichem Schema tätig und der Aufbau überall identisch waren, sahen wir immer noch keinen Mehrwert für Erzeuger und Verbraucher. Hier hatten wir noch unser Ass im Ärmel. Welches Ass? Alle Anbieter haben die gleichen Funktionen und Möglichkeiten auf Ihrer Plattform. Es finden sich keine großen Unterschiede zwischen den Anbietern, aber vor allem fehlte die Möglichkeit für Erzeuger und Verbraucher ein alltägliches zusammenkommen zu gestalten. Dies sollte die Grundbedingung einer solchen Plattform sein.
Nach weiteren Monaten grübeln wie es weiter gehen und welche Anlaufstellen wir noch kontaktieren sollten, waren wir mittlerweile im April angekommen. Wir redeten mit Verwandten, Bekannten und Freunden in der Hoffnung das jemand noch irgendeine Idee hatte, welche uns noch nicht in den Sinn kam.
Dann kam der 22.04.2020. Nachdem wir einige Tage zuvor, zwei guten Freunden unsere Idee in Stichpunkten schilderten, waren diese ebenfalls sofort davon begeistert und wir trafen uns an besagtem Tag in gemütlicher Runde (Corona-Regeln selbstverständlich beachtet) zum Vertiefen der Thematik. Genau dieser Abend war es, welcher uns unserem Ziel näherbrachte. Über den Freund erfuhren wir, dass dieser Kontakt mit einem sehr langjährigen Freund hatte, welcher in der Softwareentwicklungsbranche tätig ist und uns eventuell weiterhelfen kann. Nach einem Telefonat der beiden wurde einige Tage später der Kontakt zu uns hergestellt. Wir erläuterten unser Konzept in einer Videokonferenz. Wir stellten unser Konzept vor und beschrieben was wir die letzten beiden Jahre an Umfragen, Marktanalysen- und Recherchen, Termine bei Banken und sonstigen Veranstaltungen, an Leidenschaft in das Vorhaben gesteckt haben. Nach dieser 2-stündigen Besprechung bekamen wir das erste Feedback, interessantes Vorhaben, super Idee, eine Umsetzung wäre sicher kein Problem!
Da zwei Jahre selbstverständlich nicht an einem Abend besprochen werden konnten, hat es weitere drei Termine gebraucht um alles, bis ins kleinste Detail, durchzusprechen. Nach diesen Meetings hatten wir einen genauen zeitlichen Ablaufplan sowie eine Kostenstruktur, welche uns zusagte.
Die Suche nach einem Investor war somit beendet und wir konnten uns aufs wesentliche konzentrieren. Dies betraf Aufbau, Funktionalität, Grafik, Bedienbarkeit und vieles mehr. Die nächsten Wochen verbrachten wir damit, unsere Ideen zur Plattform detailliert auf Papier zu bringen. Der Softwareentwickler wollte von uns eine genaue Beschreibung jedes einzelnen Punktes der Plattform (Darstellung für Desktop und Mobiltelefone). Wie soll welche Seite aussehen? Welche Funktionalitäten und Inhalte sollen oben in die Ecke, welche rechts/links an den Bildrand usw.
Jede Seite musste besprochen und durchdacht werden damit das Entwicklerteam diese bestens umsetzen konnte.
Das war aber noch nicht alles. Aufgrund der Zeit, welche das Entwicklerteam benötigt, schauten wir über den Tellerrand hinaus und verfolgten den Markt auch über die Landesgrenzen hinweg. Selbstverständlich wussten wir auch schon vorher, dass das Thema Direktvermarktung auch in Österreich und der Schweiz ein immer mehr in den Mittelpunkt der Gesellschaft rückt. Wir nahmen nun auch Kontakt zu Erzeugern aus der Schweizer und Österreich auf, um deren Ansichten zu diesem Thema zu erfahren. Auch hier waren sich unsere Gesprächspartner einig. Es muss für alle Beteiligten eine langfristige Lösung gefunden werden, um den Absatz via Direktvermarktung zu steigern. Auch in unseren Nachbarländern ist ein stetiger Rückgang an regionalen Produzenten zu erkennen und kleinere Erzeuger bleiben auf der Strecke. Nun nahmen wir auch Kontakt zu regionalen Verbänden in Österreich und der Schweiz auf, um unser Konzept publik zu machen.
Nachdem wir intern vor einigen Hürden standen sind wir zu Umstrukturierungen gezwungen worden. Wir haben neue Anlaufstellen in den Fokus genommen. Seit 2024 arbeiten wir mit der Hochschule Darmstadt zusammen.
Die Entwicklung der Plattform läuft. Kontakte mit Regionalverbänden, Vereinen sowie Institutionen sind hergestellt. Nun konzentrieren wir uns auf unsere Facebookseite, um mit euch unseren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Wir sind in themenrelevanten Facebookgruppen dankbar aufgenommen worden und durften über unser Konzept berichten. Wir sind allen Admins der Gruppen für die Unterstützung sehr dankbar.
Somit stehen wir endlich in den Startlöchern und alle Interessierten können uns ab sofort kontaktieren.
